DG & DG Das Geld und die Griechen – Τo Χρημα και οι Ελληνες

Was mich betürzt!

Als ich dieses Projekt angefangen habe, hatte ich keine Meinung. Ich finde es wichtig, keine Meinung zu haben, weil ich denke, dass einem die Meinung ganz oft den Blick verstellt. Darüber habe ich mich an anderer Stelle bereits ausführlich geäussert.

Nun bin ich in einer seltsamen Situation. Ich habe den Leuten in Griechenland zugehört. Ich habe gelernt. Ich habe über Geld nachgedacht. Ich habe mich bemüht, zu erkennen.

Es fragen mich Journalisten in Athen: “Wie sehen Sie als Deutscher Griechenland?” und es fragen mich Journalisten in Berlin: “Sind die Griechen wirklich so, wie man sie hier so darstellt?”

[ Es ist meine Meinung gefragt. So als ob ausgerechnet ich (der ich Meinung als Hindernis, die Realität zu erkennen, erkannt habe) einen klareren Blick haben könnte. ]

In Griechenland sage ich, dass das Bild der Deutschen von den Griechen vielschichtiger ist, als es in den griechischen Medien dargestellt wird. Und dass man bitte die Deutschen nicht über einen Kamm scheren möge. Und in Deutschland sage ich, dass ich erschrocken bin, wie in Deutschland über Griechenland berichtet wird. Wie die Deutschen über Griechenland denken. So als ob das eine, das andere wäre. So als ob das, was in den Medien über Griechenland gesagt wird, das ist, was die Deutschen über die Griechen denken.

Ich fürchte, dass das eine, mit der Zeit, zum andere geworden ist. In den Medien wurde so lange dummes Zeug über Griechenland erzählt, bis die Erzählung Allgemeingut wurde. Der Satz vom faulen Griechen wird in Deutschland gar nicht mehr erst hinterfragt. Vor kurzem fuhr ich im Auto, als im Radio – und ich höre Radiostationen, in denen intelligente Menschen in intelligenten Sendungen über die Welt reflektieren. Und einer dieser intelligenten Menschen, der in meinem Lieblingssender sprach, redete Zeug, wie es vor Monaten noch undenkbar unreflektiert gewesen wäre. Und ich schrie vor Wut, so lange, bis ich heiser war. Und mit eben diesem Quatsch wurde ich konfrontiert, als ich in eben solcher Radiosendung interviewt wurde. Es ist ein Spiel. Der Moderator will provozieren. Will die extremen Meinungen herausarbeiten. Das ist spektakuläre, das bringt Quote, das ist populär.

Es führt zu nichts.

DER Grieche ist nicht fauler als DER Deutsche. Es kommt mir fast ein wenig albern vor, das zu schreiben. Das offensichtliche wie eine Neuigkeit hinzustellen. Es ist unspektakulär und es ist langweilig. Der Grieche hat nicht anders gehandelt, als der Deutsche gehandelt hätte, wenn er in der selben Situation gewesen wäre. So langweilig, so wahr. Ein Mensch ist ein Mensch, er handelt wie ein Mensch.

Es gibt eine Sache, die ich sehr liebe. Etwas ungemein wertvolles. Vielleicht haben wir schon vergessen, wie großartig es ist, weil es uns so unspäktakulär normal vorkommt. Weil es, wie alles, was normal ist, vor allen Dingen dann auffällt, wenn es nicht so ganz funktioniert: Das gemeinsame Europa. Und es ärgert mich ungemein, wenn man die größte politische Errungenschaft, die man zu Stande gebracht hat, so leichtfertig aufs Spiel setzt. Weil es so schön kracht, wenn man Vorurteile pflegt. Ich könnte kotzen!

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Eine Koproduktion des Goethe-Instituts Athen mit dem Korsakow-Institut.