DG & DG Das Geld und die Griechen – Τo Χρημα και οι Ελληνες

Wie die Griechen II

Der Deutsche Bundespräsident hat von einem befreundeten Geschäftsmann einen Kredit zu Sonderkonditionen bekommen, um sich ein Haus zu kaufen. Ich arbeite in der Nachrichtenredaktion eines Fernsehsenders und ein Kollege bietet mir eine Wette an: 50 € – bis spätestens 3. Januar ist der Bundespräsident zurückgetreten. Es ist der 30. Dezember, der Kollege ist empört. Das riecht allzusehr nach Bestechung! So etwas geht nicht.

Ich frage mich, ob sich wohl in Griechenland jemand über diesen Fall aufregen würde. 20.000 € soll der Vorteil gewesen sein, gegenüber einem normalen Kredit. Nicht viel, verglichen mit dem, was man von den Vorteilsnahmen griechischer Politiker hört. Das ist eben der Unterschied, erkläre ich am Abend meiner (griechischen) Freundin. In Deutschland stürzt der Präsident, wenn es nach Korruption nur riecht. Und das ist richtig – Politiker sind Vorbild. Das ist in Deutschland so, das ist in Griechenland so. So wie sich die Politiker verhalten, so verhält sich das Volk.

50 € stehen auf dem Spiel, ich zögere. Ich bin kein Spieler. Ich wette nicht.

Die Tage darauf wird ruchbar: Der Bundespräsident hat beim Chefredakteur der größten Boulevardzeitung angerufen, um einen Artikel über diese Geschichte zu verhindern. Er war aufgebracht, er hat ihm gedroht. Und wenig später wird bekannt: Bereits Wochen vorher wollte der Bundespräsident bei einer anderen Zeitung, in einer anderen Sache, einen Artikel durch Telefonanrufe verhindern.

Und auch das kenne ich aus Griechenland. Dass sich Politiker dort gerne Journalisten gefügig machen, mit Geld und Druck dafür sorgen, dass die Presse positiv ausfällt.

In Redaktionssitzungen bereitet sich der Fernsehsender auf den Rücktritt des Präsidenten vor. Es wird durchgespielt, wie das Programm umgestellt wird, wenn die Nachricht kommt.

Ich bin ein wenig stolz: Deutschland ist nicht Italien, Deutschland ist nicht Griechenland, Deutschland lässt seinen Politikern nicht alles durchgehen.

Hätte ich doch gewettet: Der dritte Januar kommt, der Bundespräsident bleibt. Die 50 Euro wären mein gewesen. Am vierten Januar gibt der Präsident ein Fernsehinterview. Er sagt Sätze wie: “es gibt auch Menschenrechte, selbst für Bundespräsidenten und auch deren Freunde […]. Und ich möchte nicht Präsident in einem Land sein, wo sich jemand von Freunden kein Geld mehr leihen kann.”

Es könnte sein, der Bundespräsident kommt damit durch. Vielleicht auch nur, weil man gerade andere Probleme hat. In wenigen Tagen kommt Sarkozy nach Berlin. Dann geht es wieder um die Rettung Griechenlands, um die Rettung Europas.

Und so könnte es sein, dass deutsche Politiker, im Windschatten Griechenlands, immer griechischer werden.

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Eine Koproduktion des Goethe-Instituts Athen mit dem Korsakow-Institut.