DG & DG Das Geld und die Griechen – Τo Χρημα και οι Ελληνες

Moral

Am Ende unserer Reise standen wir am Check-in von EASY-JET und die Dame hinter dem Schalter erklärte uns freundlich, dass wir zwar einen extra Koffer gebucht hatten, nicht aber extra Gewicht. “Ich verstehe nicht”, sage ich und die Dame hat es uns erklärt. Jeder Passagier darf einen Koffer mitnehmen und jeder Koffer darf 20 kg wiegen. Der extra Koffer, der im Internet beworben wird mit ‘½ Preis gegenüber dem Erwerb am Flughafen 35 statt 70 Euro!’ bedeutet nur, dass man noch ein Gepäckstück mehr aufgeben darf. Das Gesamtgewicht bleibt aber bei 20 kg pro Person. Extra Gewicht muss man noch dazu kaufen. “Das habe ich nicht gesehen, wo steht das?” frage ich verdutzt.

Die Dame schlägt mir vor, ins Easy-Jet Büro am Flughafen zu gehen, dort könne man mir die Vertragsbedingungen ausdrucken. Wir haben also 19 kg Übergepäck und jedes Kilogramm kostet 12,00 €. Und so breiten wir, in der Abflughalle des Athener Flughafens, den Inhalt unserer drei Koffer auf dem Boden aus, um all das auszusortieren, was weniger wert ist, als 12 Euro pro kg. Der Mann an der Maschine, mit der man Koffer mit Plastikfolie umwickelt, freut sich über eine Flasche guten Weins. Wir trennen uns von einem paar Schuhe, ich ziehe zwei Hosen übereinander…

COSMOTE, einer der großen, griechischen Mobilfunkbetreiber hat uns auch gerupft. 6 € für 600 Minuten hat es geheißen, 6 € für mobiles Internet. Nach drei Wochen haben wir über 70 € bezahlt.

Die großen Firmen bescheißen, wo es nur geht. Irgendwo im Kleingedruckten bauen sie Fallen ein, so ausgefuchst und gnadenlos, man kann auf der Hut sein, wie ein Luchs, sie kriegen einen immer.

Unser Mietauto haben wir diesmal bei einer kleinen Firma gebucht. Die Chefin kam persönlich und in Jogginghosen zum Flughafen, übergab uns das Auto an Gate B4 und nahm es dort zwei Wochen später wieder entgegen. Kein Office in grellen Farben, keine Angestellten in Uniform. Als wir das Auto drei Wochen später zurückgaben, ist sie kurz darum herumgelaufen, hat uns in die Augen geschaut und gefragt, ob alles in Ordnung ist – und das war’s.

Als wir vor sechs Monaten in Griechenland waren hatten wir ein Auto von “National Car Rental”, einer weltweit operierenden Firma. 160,00 Euro hat man im Nachhinein von meiner Kreditkarte abgebucht, für einen kleinen Kratzer, den ich angeblich in der Lackierung der Stoßstange verursacht hatte. Ich habe ein paar Formulare ausgefüllt und den Betrag bei meiner Kreditkartenfirma bemängelt, er wurde zurückgebucht. Sie haben es halt probiert.

Warum bin ich eigentlich den kleinen Leuten gegenüber so misstrauisch und lasse mich von den große Firmen übers Ohr hauen, ein ums andere Mal? Was macht das mit den Menschen, wenn die Großen und Schicken zocken und betrügen und die kleinen, ehrlichen in abgerissenen Klamotten umherlaufen?

Im Flugzeug blättert ein Mann neben mir in einem Hochglanz-Magazin. Schöne Menschen mit schönen Produkten. Die Bilder widern mich an und mit einem Mal kann ich die Wut verstehen, die eine junge Anarchistin, vor ein paar Tagen, in einem Interview beschrieb.

3 Kommentare zu Moral

  1. Peter Schmitz sagt:

    Schönes Projekt! Ein wahrer Beobachtung: warum wir eher die Grossen Geschäften trauen statt kleine Leuten. Vielleicht weil wir doch mehr empfindlich sein für die Hochglanz als wir hoffen oder denken?

  2. mac sagt:

    Schöne Betrachtung zu Wirtschaft und Vertrauen. Aber leider damit ja auch schon vorbei das Projekt…


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Eine Koproduktion des Goethe-Instituts Athen mit dem Korsakow-Institut.