DG & DG Das Geld und die Griechen – Τo Χρημα και οι Ελληνες

Mit offenem Mund

Der Kellner, der Koch, der Gehilfe und die alte Frau hinter der Kasse, sitzen aufgereiht auf der einen Seite des Speisesaals. Auf der anderen Seite ein Fernseher, es laufen Nachrichten, wir sehen Merkel, Schäuble, Westerwelle. Wir sitzen in der Mitte. Es ist der beste Platz, direkt am Kamin. Nummerntafeln auf jedem Tisch, das Restaurant ist vorbereitet auf viele Menschen. Alle Tische sind gedeckt, doch wir sind die einzigen Gäste. Wenn ich aufschaue, sehe ich den Gehilfen, wie er in Richtung Fernseher starrt. Es sieht aus, als würde er uns anschauen. Mit offenem Mund die letzten Gäste bestaunen.
Der Kellner sagt, dass der Sommer nicht gut war. Es gab schon noch Gäste, aber deutlich weniger als sonst. Vor einem halben Jahr waren wir schon einmal hier. Wir saßen auf dem Platz vor dem Restaurant. Der Kellner, der uns damals bediente, ist nicht mehr da. Er ist zurück gegangen, in sein Heimatdorf. Die Hunde, die uns damals angebettelt haben, schleichen wieder um uns herum, als wir zum Auto gehen. Sie sind ganz dünn geworden.

2 Kommentare zu Mit offenem Mund

  1. Britta sagt:

    Liebe Elissavet, lieber Florian,

    die Blogeinträge sind ein spannendes Puzzle. Und endlich ein Stück reales Griechenland, das hier in dem Wort Krise untergeht. Alle haben Angst und Gutenberg will eine neue Partei gründen. Herrje, bald kämpfen die Piraten gegen die Herren Gutmenschen und umgekehrt. Was sagt denn die “Stammtischpolitik” in Griechenland? Zeigt Ihr was dazu im Film?
    Herzliche Grüße, Britta

    P.S. Schade, dass ich erst jetzt von Eurem Blog erfahren habe.

    • Hallo Britta,

      es freut mich, dass Dir die Blogeinträge gefallen. Das reale Griechenland? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ob das, was wir sehen, das reale Griechenland ist. Elissavet und ich sprechen viel darüber. Es ist hier so unspektakulär. Wenn ich Spiegel Online lese bekomme ich das Gefühl, Griechenland steht kurz vor dem Untergang. Hier stellt es sich anders dar – Griechenland ist bedrückt, aber eigentlich ganz munter. Wir haben nun mehr als 20 Stunden Interviews aufgenommen. Die Leute haben viel, viel, viel gesagt. Was davon in den Korsakow-Film kommt, wissen wir noch nicht. Allenfalls Bruchstücke. Wie immer… ;-)

      Florian


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Eine Koproduktion des Goethe-Instituts Athen mit dem Korsakow-Institut.