DG & DG Das Geld und die Griechen – Τo Χρημα και οι Ελληνες

Europa

Als Kind war ich Schwandorfer (da komme ich her), etwas später Oberpfälzer, dann Bayer, irgendwann habe ich mich als Deutscher gefühlt. Und mit jedem Schritt ist meine Welt größer geworden, reicher, vielfältiger. Ich bin gewachsen. Seit einigen Jahren empfinde ich mich in erster Linie als Europäer, als Deutscher Europäer, als bayerischer, deutscher Europäer, der aus Schwandorf in der Oberpfalz kommt. Eine Schachtel, in einer Schachtel, in einer Schachtel…

Wir sitzen beim Frühstück im Park-Hotel in Thessaloniki und sehen die Füße der Passanten, die draußen vorbeigehen. Angela Merkel ist aus Berlin zugeschaltet. Sie hält eine Rede vor dem Bundestag, live vom griechischen Fernsehen übertragen.
Gestern waren wir mit ein paar Freunden essen. Diese sind mittlerweile allesamt pleite, und ich hatte das seltene Glück, sie einladen zu dürfen. Wer schon einmal mit Griechen in Griechenland essen war, weiß um den Kampf, der ausbricht, wenn es am Ende ums Zahlen geht. Der Gast wird eingeladen und ich versuche schon immer alle möglichen Tricks, die Rechnung vorher abzufangen und heimlich zu begleichen. Bis dato ist es mir nie gelungen.

Merkel sagt: “Wir reden nicht nur über eine Stabilitätsunion, sondern wir fangen an, sie zu schaffen.” Dies sei gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Nüchterne, technische Worte und doch und wie aus dem Nichts überkommt mich ein starkes Gefühl, schießen mir einen Moment die Tränen in die Augen. Unsere Reise durch Griechenland nähert sich dem Ende. Und mir ist klar: Europa wird nicht mehr auseinander brechen. Europa wird näher zusammenrücken, wird mehr und mehr wie ein Land werden. Es ist kein Krieg, kein Bürgerkrieg, der diese Entwicklung zur Folge hat, wie häufig in der Geschichte. Aus den Ruinen erwächst das Neue. Doch die Ruinen von heute sind keine verbrannten Häuser, allenfalls ruinierte Konten. Es mag ein Finanzkrieg sein, aber es gibt keine Toten und keine zerstörten Städte.

Wir sind auf dem Weg in das Europa von Morgen, und unser Leben als Europäer ist reicher und vielschichtiger als das des “nur” Deutschen, oder “nur” Griechen.

Die reichen europäischen Länder (und ihre Bürger) lernen gerade, dass man als Teil des Ganzen mit den anderen Teilen muss. Und die armen Länder müssen akzeptieren, dass sie in Zukunft weniger selbstbestimmt sein werden. Im Endeffekt muss in allen Ländern Selbstbestimmung aufgegeben werden. Die Deutschen bestimmen weniger über ihr Geld, die Griechen weniger über ihr Schicksal.

Merkel spricht von einem Marathon, und sie meint, dass noch ein anstrengender Weg vor uns liegt. Die Parlamente der Länder ringen sich gerade dazu durch Macht abzugeben, die Menschen in den Ländern müssen das verstehen oder zumindest akzeptieren. Im Moment empfinden das viele als Verlust von Freiheit. Aber bin ich weniger frei, weil das bayerische Parlament weniger mächtig ist als das bundesdeutsche? Das Gegenteil ist der Fall. Ob meine Stimme als eine von 12 Millionen, 80 Millionen oder eine von 500 Millionen zählt? Demokratie ist skalierbar und lokale Entscheidungen werden auch in Zukunft lokal getroffen werden. Mag sein, dass nicht jede Entscheidung des Europäischen Parlaments immer die Beste ist. Jede Entscheidung des schwandorfer Stadtrats auch nicht.

Kommentare sind geschlossen.


.

Eine Koproduktion des Goethe-Instituts Athen mit dem Korsakow-Institut.