DG & DG Das Geld und die Griechen – Τo Χρημα και οι Ελληνες

Schnaps

Die Luft ist zäh und dick in Athen. Wir sind seit einer Woche in der Stadt und die Stimmung drückt mittlerweile auch auf uns. Wir haben unser Lieblingsrestaurant. Vom Hotel raus links, bis zu der Ecke, an der immer Polizisten in Kampfanzügen stehen, dann rechts, die Straße hinunter und quer über den Platz auf dem schwarz gekleidete Jugendliche um mehrere Feuer herumstehen. Dort ist ein freundlicher, kleiner Laden, in dem es gute, griechische Küche für wenig Geld gibt. Der junge Kellner kennt uns schon, er war ganz begeistert, als er hörte, dass wir aus Berlin kommen. So wie eigentlich immer alle begeistert von Berlin sind. Berlin; das ist, von Athen aus gesehen, die Stadt ohne Sorgen. Es sind nur wenige Gäste im Restaurant und als der Wirt mitbekommt, dass wir aus Deutschland kommen, begrüßt er uns mit den Worten: “Merkel – 4. Reich!”

Es ist nichts ungewöhnliches, man hört solche Sätze ständig. Auf der Fahrt im Taxi, zum Hotel, sagte der Fahrer: “Die Deutschen sind zu 90% an den Problemen Griechenlands schuld.” Es fällt mir zunehmend schwer, ruhig zu bleiben. Den Wirt fahre ich an: “Gibt es denn auch irgendetwas, was die Griechen falsch gemacht haben? Denn wenn nicht, dann haben sie auch keine Möglichkeit, irgendetwas zu ändern. Dann ist die Situation wirklich hoffnungslos!” Der Wirt setzt sich mit einer Flasche selbstgebranntem Tsipouro zu uns an den Tisch, schenkt uns, aber nicht sich ein. Als ich protestiere, zieht er, in einer beeindruckenden Geste seinen Hemdkragen nach unten. Zu sehen ist eine große Narbe auf seiner Brust: “Bypass-Operation, das Feiern ist vorbei!”

4 Kommentare zu Schnaps

  1. monika halkort sagt:

    hey florian

    meine schwester lebt in athen. schon seit jahren. sehr engiert in sachen finanzkrise. ihr mann auch. er ist lehrer. und grieche. wenn du kontakte brauchen kannst….sag bescheid………….dann verlink ich euch via facebook oder so. gutes gelingen!

  2. Hi Monika,

    ja, wäre super, wenn Du einen Kontakt herstellen könntest! Ich melde mich in Kürze per Email…

  3. margit thalhofer sagt:

    hallo florian,

    schau und les immer gern deine arbeiten. freu mich auf mehr und bin gespannt, was kommt. gute zeit und gute begegnungen, liebe grüße von der cousine


.

Eine Koproduktion des Goethe-Instituts Athen mit dem Korsakow-Institut.