DG & DG Das Geld und die Griechen – Τo Χρημα και οι Ελληνες

Die Flut

Morgen früh fliegen wir nach Griechenland. Es ist gegen 19:30 Uhr, ich stoppe auf dem Weg vom Atelier nach Hause an einem Computerladen in der Friedrichstraße. Ich muss noch eine Festplatte kaufen. Es sind keine Preisschilder an den Packungen. Ich nehme eine Festplatte aus dem Regal und gehe zur Kasse.

“236,90 Euro.”
“Wie bitte? – Ich habe vor ein paar Wochen die gleiche Festplatte hier gekauft, sie hat ungefähr 135 Euro gekostet!”
“Das ist wegen der Flut in Thailand”, sagt der Verkäufer, “dort werden fast alle Festplatten hergestellt und jetzt werden sie knapp. Manche Festplatten kosten nun drei mal so viel wie noch vor einer Woche. Es ist verrückt, kein Mensch kauft mehr Festplatten. Unser ganzes Lager ist voll.”
“Wie, ich verstehe nicht, das ganze Lager ist voll? Aber dann sind sie doch gar nicht knapp!”
“Ich weiß auch nicht”, sagt der Verkäufer, “die Preise macht der Chef.”

Doch ich brauche die Festplatte und kaufe sie trotzdem. Ich verlasse den Laden und fahre durch die Nacht nach Hause. Ich bin fasziniert, wie die Welt verwoben ist: eine Flut in Thailand ist hier in Berlin zu spüren. Es ist seltsam, geht es mir durch den Kopf – Festplatten werden wahrscheinlich knapp werden. Darauf bereiten sich die Händler jetzt schon vor, obwohl sie noch gar nicht knapp sind. Der Handel erhöht die Preise, weil er davon ausgeht, dass die Preise steigen werden.

Der Markt nimmt die Krise vorweg. Und damit ist die Krise da.

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Eine Koproduktion des Goethe-Instituts Athen mit dem Korsakow-Institut.